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Würde, Respekt und Selbstbestimmung kennen kein Ablaufdatum
27.08.2026
SVP-Landtagsabgeordnete Waltraud Deeg spricht sich in der aktuellen Diskussion über mögliche Einschränkungen der Mobilität älterer Menschen gegen pauschale Einschränkungen aus: „Menschen dürfen nicht aufgrund ihres Geburtsdatums aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Entscheidend muss sein, was ein Mensch kann – und nicht, wie alt er ist.“

In der Arbeitsfassung des neuen „Codice della strada“ waren für Menschen über 85 Jahren erhebliche Einschränkungen vorgesehen: kein Fahren auf Autobahnen, ein maximaler Bewegungsradius von 100 km vom Wohnort sowie eine Null-Promille-Regelung. Dieser Vorschlag ist für Deeg der falsche Weg. „Ich hoffe sehr, dass dieser Vorschlag endgültig vom Tisch ist. Menschen allein aufgrund ihres Alters bestimmte Rechte oder Möglichkeiten zu nehmen, ist für mich ein absolutes No-Go. Das ist Altersdiskriminierung“, stellt Deeg klar.

Natürlich müsse die Verkehrssicherheit gewährleistet werden und es gebe Situationen, in denen die individuelle Fahrtauglichkeit genauer überprüft werden müsse. Dies dürfe aber nicht pauschal an das Alter geknüpft werden. „Entscheidend muss sein, ob jemand tatsächlich fahrtauglich ist – nicht, wie alt jemand ist. Wenn gesundheitliche oder andere Gründe gegen die Fahrtauglichkeit sprechen, müssen diese selbstverständlich berücksichtigt werden. Das gilt aber für Menschen unterschiedlichen Alters“, so Deeg.

Weniger Bürokratie, mehr individuelle Beurteilung

Auch die bürokratischen Auflagen zur Erneuerung des Führerscheins für ältere Menschen sieht Deeg kritisch. Gerade wer körperlich und geistig fit sei, müsse nicht automatisch alle zwei Jahre eine aufwendige Prozedur durchlaufen.

„Wir sollten uns fragen, ob diese regelmäßigen Verfahren wirklich in jedem Fall notwendig sind oder ob wir nicht stärker auf eine individuelle Beurteilung setzen können. Andere europäische Länder zeigen, dass Führerscheine grundsätzlich ohne regelmäßige altersbedingte Erneuerung gültig sein können und eine Überprüfung dann erfolgt, wenn konkrete Zweifel an der Fahrtauglichkeit bestehen“, erklärt Deeg.
Ein solcher Ansatz könnte gleichzeitig Bürokratie reduzieren und ältere Menschen entlasten. „Wer fit ist und sicher Auto fahren kann, sollte nicht allein wegen seines Alters mit zusätzlichen Hürden konfrontiert werden“, betont Deeg.

Altersdiskriminierung betrifft viele Lebensbereiche

Für Deeg ist die Diskussion über den Führerschein Teil eines größeren Problems. Altersbedingte Einschränkungen gebe es auch in anderen Bereichen – beispielsweise beim Zugang zu Darlehen, Versicherungen oder bei bestimmten finanziellen Dienstleistungen.

„Diese Form der Altersdiskriminierung hat teilweise schon fast System. Wir müssen aufpassen, dass wir ältere Menschen nicht schrittweise aus verschiedenen Lebensbereichen hinausdrängen“, sagt Deeg.
Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müsse die Gesellschaft einen anderen Zugang entwickeln. „Wir werden in Zukunft immer mehr ältere Menschen haben. Deshalb müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die es ihnen ermöglichen, möglichst lange selbstbestimmt und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, so Deeg.

Dies sei ihr schon immer ein wichtiges Anliegen gewesen und als damalige Soziallandesrätin habe sie mit dem Gesetz zum „Aktiven Altern“ bereits vor einigen Jahren einen wichtigen Schritt in diese Richtung gesetzt. Ziel dieses Gesetzes sei es, die Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen zu fördern und geeignete Rahmenbedingungen für ein Altern in Würde zu schaffen.
„Älterwerden darf nicht automatisch mit weniger Rechten, weniger Möglichkeiten und mehr Bürokratie gleichgesetzt werden. Wir sollten vielmehr die Fähigkeiten und die Erfahrung älterer Menschen als Stärke unserer Gesellschaft begreifen“, unterstreicht Deeg. „Es geht nicht darum, notwendige Sicherheitsstandards abzubauen. Es geht darum, Menschen individuell zu beurteilen und sie nicht pauschal aufgrund ihres Geburtsdatums einzuschränken.“