Parteiobmannstellvertreter Zeno Christanell

Gedanken zum Schulstart

Denk ich an die Bildung in der Nacht… So wie bei Heines „Nachtgedanken“ ist es nicht gerade – und eines vorweg: Südtirols Bildung hat durchaus einiges vorzuweisen und es gibt sicherlich keinen Bildungsnotstand. Aber wir könnten besser sein und einige aktuelle politische Signale geben doch zu denken.
Das Amt für Arbeitsmarktbeobachtung weist schon seit längerem darauf hin, dass die Pädagogen so langsam knapp werden. Tatsächlich gibt es quer durch alle Bildungsstufen – also vom Kindergarten bis zur Oberschule – heute schon einen festgestellten Mangel an Fachkräften. Dieser wird derzeit noch mit Aushilfskräften, die keine Lehrbefähigung haben, überbrückt. Der gesellschaftliche Aufschrei bleibt aus, weil man landläufig davon ausgeht, dass so ein bisschen Unterricht jeder mit etwas gutem Willen hinbekommt. Das wird interessanterweise in anderen hochqualifizierten Berufskategorien total anders gesehen… Auf jeden Fall konnten beispielsweise bei den Intergrationslehrkräften nur rund 10% der Stellen von Mitarbeitern mit notwendiger Qualifikation besetzt werden – trotzdem findet der Unterricht statt.

Um dieser Situation Herr zu werden, hat man sich nun dazu entschlossen zwei Maßnahmen zu setzen: Zum einen soll es in Zukunft Mitarbeitern im öffentlichen Dienst in einem größeren Ausmaß ermöglicht werden, durch Nebentätigkeit ein Zusatzeinkommen zu generieren. Damit hofft man mit den Gehältern in der Privatwirtschaft konkurrenzfähig zu werden. Zum anderen möchte man Lehrpersonen aus Österreich „importieren“, um in den Südtiroler Schulen auszuhelfen. Beide Maßnahmen scheinen im ersten Moment logisch und praktisch. Bei genauerem Hinsehen, muss aber festgestellt werden, dass sie langfristig nur als Notlösungen dienen können. Wenn Vollzeitangestellte des öffentlichen Dienstes einen Zweitjob brauchen, um über die Runden zu kommen oder wenn junge Menschen sich bewusst gegen den Lehrberuf entscheiden, dann sitzt das Problem etwas tiefer.
Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel: Das Arbeiten in Bildungseinrichtungen muss wieder attraktiver werden und einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen. Folgende Gedanken dazu:
  1. Leistung muss sich lohnen: Die tatsächliche Leistung sollte differenzierter betrachtet werden. So wie in anderen europäischen Ländern gehört eine gesunde Diversifizierung nach Aufwand auch in Südtirol angedacht und wäre mit dem Landeszusatzvertrag möglich.
  2. Freiwillige Zusatzarbeit muss möglich sein: Für hochqualifizierte Mitarbeiter bietet die Privatwirtschaft bessere ökonomische Bedingungen. Auch viele Lehrpersonen wollen oder müssen ihr Einkommen aufbessern. Anstelle eines Zweitjobs wäre es für die meisten besser, wenn sie sich innerhalb der Struktur einbringen könnten und für diese fixen Zusatzleitungen auch entlohnt würden. So könnte teilweise dem Lehrermangel entgegengewirkt oder etwa durch Teamteaching bessere Unterrichtssituationen erzeugt werden.
  3. Die Schulorganisation ist zu überdenken: Der starre Stundenplan, der auch lernhemmend wirkt, sollte zumindest in höheren Schulstufen freier gestaltet werden. Das würde auch eine zusätzliche Attraktivität für das Lehrpersonal darstellen, weil dann ein Leerlauf vermeidbar wäre und ein effizienteres Arbeiten ermöglicht wird.
  4. Die Ausbildung ist zu hinterfragen: Es braucht in der Lehrerausbildung auch für die Oberstufe einen größeren Bezug zur Praxis. Südtirol hat bereits gute Erfahrungen mit der dualen Ausbildung. Diese könnte auch für den Lehrberuf interessant sein. Damit stünden den Schulen zusätzliche Ressourcen zur Verfügung und Studenten hätte die Chance für sich festzustellen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist.
  5. Die prekären Arbeitssituation sind zu verkürzen: Trotz Mangel an Fachkräften gibt es zahlreiche ausgebildete Lehrpersonen, die jahrelang auf eine Fixanstellung warten müssen. Das schafft Unsicherheit und lässt kaum eine geordnete Lebensplanung zu. Durch die Vergaben von unbefristeten Verträgen in Teilzeit könnte hier schnell entgegen gewirkt werden.
Alle diese Maßnahmen könnten wir in Südtirol umsetzen. Wir müssten sie auch nicht ganz neu erfinden, sondern nur auf die guten Erfahrungen andere zurückgreifen. Damit könnten wir Bildung nachhaltig verändern und verbessern. Bildung muss in der Gesellschaft mehr Wertschätzung erfahren. Damit ist nicht vordergründig die Politik gemeint, sondern jeder einzelne von uns. Solange Lehrpersonen belächelt werden und die Meinung vorherrscht, dass sie eh kaum arbeiten und vor allem Ferien haben; solange Leistung kaum honoriert wird und die Entlohnung nicht verbessert werden kann; wird die Bildung nicht so gut funktionieren, wie es möglich ist und wie wir es auch der nächsten Generation schuldig wären. Denn Bildung ist das Fundament für eine gerechte Gesellschaft und eine erfolgreiche Zukunft.
 
Dr. Zeno Christanell
SVP-Bezirksobmann Burggrafenamt
 
 
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